Auf dem Formel-1-Wagen von Mercedes-Benz. Auf den Trikots des FC Lausanne und OGC Nizza. Auf der Radsportbekleidung des britischen Teams Ineos Grenadiers. Das Logo der Firma Ineos ist an vielen Orten zu finden. Ineos ist ein globaler Chemiekonzern, der 1998 von Jim Ratcliffe gegründet wurde. Zu dem Mutterkonzern gehören insgesamt 36 verschiedene Chemie-Unternehmen aus 29 Ländern – beispielsweise Raffinerien und chemische Grundstofffabriken. Über Manchester schwebt dieser Tage die Frage: Wird das Konzernloge bald auch auf dem Trikot von United zu sehen sein?
Sir Jim Ratcliffe, laut „Forbes“ der reichste Brite und bekennender „Red Devils“-Fan, ist der Chef von Ineos und erwägt einen Kauf von Manchester United. „Wir haben uns formell in den Prozess eingebracht“, sagte ein Unternehmenssprecher von Ineos im Gespräch mit der Zeitung „The Times“. Die bisherige Besitzer-Familie Glazer spielt seit Ende November mit dem Gedanken, den Verein zu verkaufen.
Seit dem ersten Tag umstritten
Den Fans wäre das mehr als recht. Die amerikanischen Besitzer sind seit Tag eins in Manchester umstritten. Weil die Glazers, als sie United 2005 mit geliehenem Geld kauften, Dinge versprachen, die sie nie einhielten. Beispielsweise blieb die Grundverschuldung mit 592 Millionen Pfund fast unverändert. Dazu verkauften die Glazers Anteile für mehr als 400 Millionen Pfund – gaben davon aber nichts an den Verein ab. Zudem flossen zwischen 2012 und 2021 laut dem Finanzblogger Kieron O’Connor „nur“ 136 Millionen Pfund in die Infrastruktur. Beim Stadtrivalen Manchester City waren es 374 Millionen Pfund.
Den Glazers gehört außerdem NFL-Franchise Tampa Bay Bucaneers. Das Footballteam bekommt von der aus Miami stammenden Familie deutlich mehr Aufmerksamkeit. Und auch die Befürwortung einer Super League schürte die Wut der Fans. Der größte Kritikpunkt der Manchester United-Anhänger ist aber der sportliche Misserfolg. Seit der letzte Ritter bei United, Sir Alex Ferguson, 2013 zurücktrat, wurden die „Red Devils“ nicht mehr Meister.
Bei fast jedem Spiel demonstrieren die Anhänger von Manchester United gegen ihre eigenen Besitzer.
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Unter dem Motto „Glazers Out“ gibt es seit Jahren Fan-Proteste gegen die Besitzer-Familie, die Manchester United 2005 für 790 Millionen Pfund gekauft hat. Sie richtete sich Anfangs vor allem gegen den Käufer Malcolm Glazer. Der Unternehmer starb 2014 und legte den Verein in die Hände seiner Kinder. Heute sind Avram und Joel Glazer im Zentrum des Hasses.
Erlösende Nachricht im November
Die Geschwister verschlissen seit 2014 sechs Trainer, darunter auch prominente Coaches wie José Mourinho und Louis van Gaal. Eine Milliarde Euro wurde für teure Spieler rausgehauen, die aber sportlich kaum bis gar nicht weiterhalfen, wie Paul Pogba (105 Mio. €), Harry Maguire (87 Mio. €) oder Jadon Sancho (85 Mio. €).
Im November kam dann die für Fans fast schon erlösende Nachricht: Die Vorstandsvorsitzenden Avram und Joel Glazer wollen „alle Optionen prüfen, um sicherzustellen, dass wir unseren Fans am besten dienen“. Ein Verkauf sei möglich.
Preis: Fünf Milliarden Pfund
Lohnen würde sich das mit Sicherheit auch für die Glazers, denn laut Medienberichten sei ein Verkauf ab der Rekordsumme von fünf Milliarden Pfund möglich. Hier kommt Sir James Arthur „Jim“ Ratcliffe ins Spiel: Dem Milliardär, dessen Vermögen von „Forbes“ auf 15,5 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, gehört bereits seit 2017 der FC Lausanne und seit 2019 OGC Nizza. Im Jahr 2019 kaufte Ineos auch das damals erfolgreichste Radsportteam Sky. Es heißt nun Ineos Grenadiers und wird mit ungefähr 30 Millionen Euro pro Jahr von Ratcliffe gefördert. Zudem hält er ein Drittel der Anteile am Formel-1-Stall von Mercedes. Er will noch weiter in den Fußball investieren, um offenbar ein RB-ähnliches Sportimperium aufzubauen.
Der 70-Jährige kommt aus der Region Manchester, gründete 1998 den Chemie-Giganten Ineos und wurde 2018 von der Queen für seine „Verdienste für Unternehmen und Investment“ zum Ritter geschlagen. Ratcliffe war zudem ein klarer Brexit-Befürworter, der im Zuge einer „Vote Leave“-Kampagne sagte: „Die Briten sind durchaus in der Lage, mit den Briten umzugehen. Wir brauchen Brüssel nicht!“
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Trotzdem zog er 2020 nach dem Brexit ins Steuerparadies Monaco, um laut der „Times“ umgerechnet mindestens 450 Millionen Euro Steuern jährlich zu sparen.