Hasst euch doch selbst! – 11FREUNDE

Ein­tracht Frank­furt gegen Mainz 05: Das ​Rhein-Kein-Derby“

Imago0045343888h

Auf der einen Seite eine Lan­des­haupt­stadt, Medi­en­me­tro­pole, der Ort, wo der Buch­druck und ein bedeu­tender Corona-Impf­stoff ent­standen sind.

Auf der anderen Seite Frank­furt am Main. Spaß bei­seite. Für die Frank­furter ist Mainz, nicht nur fuß­bal­le­risch, Pro­vinz. Die Empor­kömm­linge aus Rhein­hessen haben noch in der Ober­liga gegen den ASC Dud­weiler und Vik­toria Herx­heim gespielt, da war die Ein­tracht schon Deut­scher Meister und Euro­po­kal­sieger

Blöd nur, aus Frank­furter Sicht, dass die Mainzer sich Mitte der Nuller­jahre auf­machten, nicht mehr nur für die Fast­nacht und das qua­kende ​Guden Abend“ der Main­zel­männ­chen bekannt zu sein, son­dern mit den hei­mi­schen Null­fün­fern in der 1.Liga für Furore zu sorgen.

Der Begriff Rhein-Main-Derby wird von Seiten der Main-Metro­pole jedoch wei­terhin strikt abge­lehnt. Als legi­timer Der­by­gegner gilt für Ein­tracht-Fans eigent­lich nur Offen­bach, höchs­tens noch Darm­stadt 98. Dafür, dass ihnen der Pro­vinz­klub so egal ist, nehmen die SGE-Anhänger aber erstaun­lich viel Brenn­ma­te­rial mit auf die S‑Bahn-Fahrt über den Rhein.

Borussia Dort­mund gegen VfL Bochum: Das ​Methadon-Derby“

Imago1024114115h

Wenn du deinen größten Gegner ver­lierst, ver­lierst du einen Teil deiner selbst“, wusste schon Tennis-Rüpel John McEnroe das Kar­rie­re­ende seines Rivalen Björn Borg weh­mütig zu kom­men­tieren. So mag es auch manch einem Dort­mund-Fan gegangen sein, als sich der Lieb­lings­feind Schalke 04 nach der Saison 2022/23 schon wieder in Rich­tung 2.Liga ver­ab­schie­dete. Das Ruhr­ge­biet ohne Revier-Derby, das fühlt sich an wie Cur­ry­wurst ohne Mayo oder der Pott ohne Maloche.

Zum Glück müssen die Borussen nur ein paar Kilo­meter die Bun­des­straße in west­li­cher Rich­tung befahren, um eine Ersatz­droge für den Derby-Rausch zu finden. Der klei­nere Nachbar aus Bochum hält sich beacht­lich in der 1.Liga. Und da ein Klas­sen­er­halt des VfL deut­lich wahr­schein­li­cher als ein Wie­der­auf­stieg der Schalker ist, hat man sich auch in Dort­mund inzwi­schen mit dem ​B1-Derby“ ange­freundet.

Köln gegen Lever­kusen: Das fal­sche ​Rhein-Derby“

Imago1007519981h

Wo wir gerade bei Methadon sind: In Lever­kusen wurde einst Heroin als Arz­nei­mittel erfunden und vom ört­li­chen Bayer-Kon­zern ver­trieben, aus dessen Werks­mann­schaft auch der ört­liche Fuß­ball­verein ent­stand. Von Fuß­ball­ro­man­ti­kern wird Bayer 04 bis heute vor­ge­worfen, es nur durch die groß­zü­gigen Zuwen­dungen des Phar­ma­kon­zerns, unter Umge­hung der 50 + 1‑Regel, in die Bun­des­liga geschafft zu haben.

Auf der anderen Seite des Rheins, wo man stolz auf die glor­reiche Ver­gan­gen­heit, nicht nur auf sport­li­cher Ebene ist, ver­meidet man das ​D‑Wort“ für Spiele gegen die Nach­barn tun­lichst.

Für einen Effzeh-Fan zählen nur For­tuna Düs­sel­dorf und Borussia Mön­chen­glad­bach als echte Rivalen. Sti­che­leien zwi­schen den Fan-Lagern gehören trotzdem dazu. Für zukünf­tige Besuche in der Dom­stadt raten wir im Übrigen davon ab, in der Öffent­lich­keit über den schönen Fuß­ball, den die Nach­barn unter Xabi Alonso spielen, zu schwärmen.

Schalke 04 gegen Hertha BSC: In den Farben ver­eint, im Hass getrennt

Imago0004372099h

Auch unab­hängig von regio­naler Nähe gibt es im Fuß­ball immer wieder (ein­sei­tige) Feind­schaften. Bei der Ber­liner Hertha zeigt sich die Abnei­gung gegen Schalke schon darin, dass ins­be­son­dere ältere Fans, den Namen des Hass­ob­jekts gar nicht in den Mund nehmen, son­dern stets von ​Gel­sen­kir­chen“ spre­chen. Der Ursprung dieser Abnei­gung liegt schon einige Jahr­zehnte zurück und hängt mit einem unga­ri­schen Stürmer zusammen: Zoltan Varga, Dop­pel­tor­schütze für die Hertha in der ersten Runde des DFB-Pokals am 15. Dezember 1971 gegen Schalke. Blö­der­weise war Varga nicht nur ent­schei­dend am 3:0‑Endergebnis betei­ligt, son­dern auch am Bun­des­liga-Skandal aus der Saison 1970/71 und daher eigent­lich vom DFB gesperrt worden. Die Schalker legten Pro­test ein, der Ver­band annul­lierte das Spiel, Hertha war aus­ge­schieden.

Was den Her­tha­nern beson­ders wehtat, neben dem wieder mal geplatzten Traum vom Pokal­sieg, war die Tat­sache, dass sie aus­ge­rechnet von den Schal­kern ange­schwärzt wurden. Aus keinem anderen Verein kamen mehr Spieler, die im Zuge des Bun­des­liga-Skan­dals sank­tio­niert wurden.

Auf Schalker Seite erntet die Anti­pa­thie aus der Haupt­stadt meist nur ein Schul­ter­zu­cken. Hat man im Ruhr­ge­biet mit Dort­mund und Essen zwei Feind­schaften doch gleich vor der Haustür, die man intensiv und ohne großen Rei­se­stress pflegen kann.

Wolfs­burg gegen Han­nover: Das ​fal­sche“ Nie­der­sachsen-Derby

Imago0029852288h

Das Schicksal der bereits genannten Lever­ku­sener teilt auch der VfL Wolfs­burg: eine Stadt, die untrennbar mit einem Groß­kon­zern ver­bunden ist, wenig Geschichte, ein Fuß­ball­klub, der bei den meisten bes­ten­falls Gleich­gül­tig­keit aus­löst.

Die Abnei­gung zwi­schen den Städten Han­nover und Braun­schweig gab es schon, als man noch mit Kut­schen über Feld­wege statt mit dem VW über Auto­bahnen fuhr.

Schwierig für den VfL da rein­zu­grät­schen, nur von einer Seite werden die Duelle gegen die Lan­des­haupt­stadt daher über­haupt als Derby bezeichnet. Von der Wolfs­burger Fan­szene also, deren Exis­tenz sowohl in Han­nover als auch in Braun­schweig in unge­wohnter Einig­keit geleugnet wird.

You Might Also Like