Eintracht Frankfurt gegen Mainz 05: Das „Rhein-Kein-Derby“
Auf der einen Seite eine Landeshauptstadt, Medienmetropole, der Ort, wo der Buchdruck und ein bedeutender Corona-Impfstoff entstanden sind.
Auf der anderen Seite Frankfurt am Main. Spaß beiseite. Für die Frankfurter ist Mainz, nicht nur fußballerisch, Provinz. Die Emporkömmlinge aus Rheinhessen haben noch in der Oberliga gegen den ASC Dudweiler und Viktoria Herxheim gespielt, da war die Eintracht schon Deutscher Meister und Europokalsieger
Blöd nur, aus Frankfurter Sicht, dass die Mainzer sich Mitte der Nullerjahre aufmachten, nicht mehr nur für die Fastnacht und das quakende „Guden Abend“ der Mainzelmännchen bekannt zu sein, sondern mit den heimischen Nullfünfern in der 1.Liga für Furore zu sorgen.
Der Begriff Rhein-Main-Derby wird von Seiten der Main-Metropole jedoch weiterhin strikt abgelehnt. Als legitimer Derbygegner gilt für Eintracht-Fans eigentlich nur Offenbach, höchstens noch Darmstadt 98. Dafür, dass ihnen der Provinzklub so egal ist, nehmen die SGE-Anhänger aber erstaunlich viel Brennmaterial mit auf die S‑Bahn-Fahrt über den Rhein.
Borussia Dortmund gegen VfL Bochum: Das „Methadon-Derby“
„Wenn du deinen größten Gegner verlierst, verlierst du einen Teil deiner selbst“, wusste schon Tennis-Rüpel John McEnroe das Karriereende seines Rivalen Björn Borg wehmütig zu kommentieren. So mag es auch manch einem Dortmund-Fan gegangen sein, als sich der Lieblingsfeind Schalke 04 nach der Saison 2022/23 schon wieder in Richtung 2.Liga verabschiedete. Das Ruhrgebiet ohne Revier-Derby, das fühlt sich an wie Currywurst ohne Mayo oder der Pott ohne Maloche.
Zum Glück müssen die Borussen nur ein paar Kilometer die Bundesstraße in westlicher Richtung befahren, um eine Ersatzdroge für den Derby-Rausch zu finden. Der kleinere Nachbar aus Bochum hält sich beachtlich in der 1.Liga. Und da ein Klassenerhalt des VfL deutlich wahrscheinlicher als ein Wiederaufstieg der Schalker ist, hat man sich auch in Dortmund inzwischen mit dem „B1-Derby“ angefreundet.
Köln gegen Leverkusen: Das falsche „Rhein-Derby“
Wo wir gerade bei Methadon sind: In Leverkusen wurde einst Heroin als Arzneimittel erfunden und vom örtlichen Bayer-Konzern vertrieben, aus dessen Werksmannschaft auch der örtliche Fußballverein entstand. Von Fußballromantikern wird Bayer 04 bis heute vorgeworfen, es nur durch die großzügigen Zuwendungen des Pharmakonzerns, unter Umgehung der 50 + 1‑Regel, in die Bundesliga geschafft zu haben.
Auf der anderen Seite des Rheins, wo man stolz auf die glorreiche Vergangenheit, nicht nur auf sportlicher Ebene ist, vermeidet man das „D‑Wort“ für Spiele gegen die Nachbarn tunlichst.
Für einen Effzeh-Fan zählen nur Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach als echte Rivalen. Sticheleien zwischen den Fan-Lagern gehören trotzdem dazu. Für zukünftige Besuche in der Domstadt raten wir im Übrigen davon ab, in der Öffentlichkeit über den schönen Fußball, den die Nachbarn unter Xabi Alonso spielen, zu schwärmen.
Schalke 04 gegen Hertha BSC: In den Farben vereint, im Hass getrennt
Auch unabhängig von regionaler Nähe gibt es im Fußball immer wieder (einseitige) Feindschaften. Bei der Berliner Hertha zeigt sich die Abneigung gegen Schalke schon darin, dass insbesondere ältere Fans, den Namen des Hassobjekts gar nicht in den Mund nehmen, sondern stets von „Gelsenkirchen“ sprechen. Der Ursprung dieser Abneigung liegt schon einige Jahrzehnte zurück und hängt mit einem ungarischen Stürmer zusammen: Zoltan Varga, Doppeltorschütze für die Hertha in der ersten Runde des DFB-Pokals am 15. Dezember 1971 gegen Schalke. Blöderweise war Varga nicht nur entscheidend am 3:0‑Endergebnis beteiligt, sondern auch am Bundesliga-Skandal aus der Saison 1970/71 und daher eigentlich vom DFB gesperrt worden. Die Schalker legten Protest ein, der Verband annullierte das Spiel, Hertha war ausgeschieden.
Was den Herthanern besonders wehtat, neben dem wieder mal geplatzten Traum vom Pokalsieg, war die Tatsache, dass sie ausgerechnet von den Schalkern angeschwärzt wurden. Aus keinem anderen Verein kamen mehr Spieler, die im Zuge des Bundesliga-Skandals sanktioniert wurden.
Auf Schalker Seite erntet die Antipathie aus der Hauptstadt meist nur ein Schulterzucken. Hat man im Ruhrgebiet mit Dortmund und Essen zwei Feindschaften doch gleich vor der Haustür, die man intensiv und ohne großen Reisestress pflegen kann.
Wolfsburg gegen Hannover: Das „falsche“ Niedersachsen-Derby
Das Schicksal der bereits genannten Leverkusener teilt auch der VfL Wolfsburg: eine Stadt, die untrennbar mit einem Großkonzern verbunden ist, wenig Geschichte, ein Fußballklub, der bei den meisten bestenfalls Gleichgültigkeit auslöst.
Die Abneigung zwischen den Städten Hannover und Braunschweig gab es schon, als man noch mit Kutschen über Feldwege statt mit dem VW über Autobahnen fuhr.
Schwierig für den VfL da reinzugrätschen, nur von einer Seite werden die Duelle gegen die Landeshauptstadt daher überhaupt als Derby bezeichnet. Von der Wolfsburger Fanszene also, deren Existenz sowohl in Hannover als auch in Braunschweig in ungewohnter Einigkeit geleugnet wird.