Handarbeit aus der Badewanne - Ortsbesuch im… – 11FREUNDE

Der Sound für Süd­afrika kommt aus einer unver­putzten Garage. Im fahlen Licht flie­gen­ver­dreckter Lampen rat­tern drei Kunst­stoff­ma­schinen. In einer aus­ran­gierten Bade­wanne ver­mengt ein Helfer mit einer ver­ros­teten Schaufel weißes Gra­nulat und rotes Farb­pulver.

Die Hitze steht, der Geruch erwärmten Plas­tiks steigt in die Nase. Das ist die Geburts­stätte der Plastik-Vuvuz­elas. Ninghai, Pro­vinz Zhe­jiang, vier Bus­stunden süd­lich von Schanghai. Hier läuft der Wirt­schafts­motor China noch wie zu Beginn der Öff­nungs­po­litik vor 30 Jahren. Hin­ter­hof­klit­schen statt modernster Fabriken, Hand­ar­beit statt Hoch­tech­no­logie.

Ein Stück weiter sitzen Gu Jingye und vier Kol­le­ginnen. Zwi­schen ihnen wächst ein Berg aus gelben, grünen und blauen Vuvuz­elas. Mit Kar­tof­fel­mes­sern schneiden sie über­flüs­siges Plastik von den frisch­ge­stanzten Tröten und glätten die Mund­stücke. Sie sei gar kein Fuß­ballfan, sagt die Frau und lacht. Als die ersten WM-Spiele nebenbei im Fern­seher liefen, sei ihnen zwar der kon­stante Geräusch­tep­pich auf­ge­fallen. Woher der kam, ahnten sie aller­dings nicht. Bis ein Nachbar sagte: »Ihr seid berühmt! Eure Tröten haben es bis zur WM geschafft.« Jetzt sei sie natür­lich stolz, sagt Frau Gu strah­lend, und wie man auf der Vuvuzela blase, habe sie auch gelernt.

Ein Ein­käufer bestellte auf einen Schlag 1,5 Mil­lionen Stück

Alle dreißig Sekunden spu­cken die Maschinen eine neue Tröte aus, bis zu 20.000 am Tag. 2001 hatte Fir­men­chef Wu Yijun die ori­gi­nalen, aus Bambus geschnitzten Vuvuz­elas in einem Comic aus Süd­afrika gesehen. Plastik müsste auch gehen, dachte Wu, und fer­tigte die ersten Modelle. Doch damals hat das keinen inter­es­siert.

Orts­wechsel: Yiwu, drei Auto­stunden west­lich, der größte Han­dels­platz der Welt. Mehr als 400.000 Händler bieten hier prak­tisch alles an, was irgendwo im Reich der Mitte gefer­tigt wird, auch die Vuvuz­elas. Schät­zungs­weise 90 Pro­zent aller bei der WM in Süd­afrika gebla­senen Tröten stammen aus China. Auch Wu Yijun saß in einem der kleinen ver­glasten Läden, als ein Ein­käufer aus Süd­afrika seine Vuvuz­elas ent­deckte. Der bestellte auf einen Schlag 1,5 Mil­lionen Stück. Das sprengte die Kapa­zität von Wus drei kleinen Gara­gen­fa­briken. Um das Geschäft seines Lebens abwi­ckeln zu können, musste er Sub­un­ter­nehmer in Süd­china anheuern.

Eine Vuvuzela aus Ninghai kostet in der Her­stel­lung gerade mal zehn bis zwanzig Cent. Ganze fünf Pro­zent ver­diene er an einer Tröte, sagt Wu Yijun. Inzwi­schen sind auch andere Pro­du­zenten auf den Zug auf­ge­sprungen. Dut­zende Händler suchen in Yiwu Vuvuz­el­a­käufer aus aller Welt. Durch die Gänge drän­geln sich Paki­stani und Ägypter, Bra­si­lianer und Jeme­niten, Russen und Kenianer. Yiwu sei ein­malig, schwärmt Nasar aus dem Oman. Für seinen Super­markt kauft er Geschenk­ar­tikel und Spiel­sa­chen. Yiwu ist die größte ara­bi­sche Kolonie in Fernost.

Im Moment seien vor allem Tröten in Gelb und Blau gefragt, erklärt Wus Vor­ar­beiter Hu Jiazhong. Und welche Farbe bevor­zugen die Deutsch­land­fans? Hu über­legt ange­strengt, dann muss er passen. Macht nichts. Die Fabrik hat noch genug Vuvuz­elas in schwarz, rot und gelb auf Lager.

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