Das ist neu:
In Stuttgart wie ein Messias begrüßt und direkt mal einen rausgehauen. „Platz zwölf kann nicht unser Anspruch sein“, versprach Armin Veh, Heimkehrer auf der Trainerbank, den VfB-Fans. Schließlich landete er mit Frankfurt in der vergangenen Saison auf Platz 13. Alles egal, den gelernten Immobilienkaufmann umgibt noch immer der Mythos der Stuttgarter Meisterschaft von 2007, das ganze Ländle träumt bei seinem Anblick von der Party mit den Fantastischen Vier auf dem Schlossplatz. Was geht, was geht, ich sag’s dir ganz konkret: Damals konnte Veh allerdings noch auf Großkaliber wie Pavel Pardo, Thomas Hitzlsperger, Sami Khedira und Mario Gomez bauen, nun gilt schon der Sechs-Millionen-Serbe Filip Kostic vom FC Groningen als Versprechen auf eine ungefährdete Saison.
Das fehlt:
Cacau, der ewige Helmut der Schwaben, hat sich vor der Saison in Richtung Japan verabschiedet, Sturmeinkauf Daniel Ginczek kam im Zillertaler Trainingslager nicht über ein paar Doppelpässe mit Sportvorstand Fredi Bobic hinaus, Präsident Wahler orakelte sogar über eine Kuryani-Rückholaktion. Wir finden trotzdem: An Stürmern fehlt es Stuttgart nicht. Auch in den vergangenen Jahren beschäftigte man kadertechnisch immer mindestens ein Mittelklasse-Modell, teilweise sogar mit Offroad-Antrieb (Zdravko Kuzmanovic) oder Sportfahrwerk (Shinji Okazaki). In Stuttgart braucht man nur langsam mal jemanden, der die teure Karre ordentlich auf der Straße hält. Vehs neue 4 – 4‑2-Raute könnte den Erfolg bringen. Bis dahin fragen wir uns aber weiterhin: Warum spielte dieser Kader eigentlich gegen den Abstieg?
Das fehlt nicht:
Der Nationalismus-Skandal: Irgendwer in Stuttgart war im Sommer von der Idee überzeugt, auf den Vereinsbus das Motto „Furchtlos und treu“ zu pinseln. Die traditionell auf der württembergischen Fahne verewigten Worte klingen eher nach verunglückter Geschichtsstunde zum Weltkriegs-Jubiläum, denn nach Teambuilding-Floskel. Die Fans fanden es auch nicht lustig, beschwerten sich über tumben Nationalismus und bemerkten, dass weder die Spieler treu, noch der Besuch der Grottenkicks im vergangenen Jahr furchtlos zu ertragen gewesen sei.
Vielleicht tun wir Ihnen aber Unrecht und die Motto-Ausdenker ließen sich von der gleichnamigen Stuttgarter „Furchtlos und Treu-“Freimaurerloge inspirieren? Dann könnte sich die Spieler immerhin auf romantische Abendunterhaltung freuen: „Auch unsere Partnerinnen und Familien kommen bei unseren Zusammenkünften nicht zu kurz. Ihre Einbeziehungen in dafür geeignete Veranstaltungen – u.a. auch ein monatlicher ›Damenkranz‹ mit ansprechendem Programm – verstärken unseren inneren Zusammenhalt.“
Wäre diese Mannschaft ein Lied, dann dieses:
Platz 6, Platz 12, Platz 6, Platz 12, Platz 15. Sorry Stuttgart, aber das riecht langsam so richtig schön nach Mittelmaß mit gelegentlichen Ausrutschern nach unten. Wir empfehlen deshalb als neue Stadionhymne „Eierfranz“ der Ersten Allgemeinen Verunsicherung.
Textauszug:
„Ich leb im Reich der Mitte,
dort ist es so schön warm.
Das heisst mit and’ren Worten:
Ich bin im Oarsch daham!
Auf Höhenflüge pfeif ich,
denn was Ikarus vergaß:
Der Maßstab aller Dinge
ist und bleibt das Mittelmaß!“
Das 11FREUNDE-Orakel
Ach, wir wollen doch auch nicht wirklich, dass Stuttgart schon wieder gegen den Abstieg spielt. Aber lasst es euch gesagt sein: Es gab schon Zeiten, da ist man mit 32 Punkten und einem Torverhältnis von 49:62 sang- und klanglos abgestiegen. Verwundert reiben wir uns also die Augen, sehen euren neuen, alten Meistertrainer und warten nun auf den Moment, an dem ihr im November auf Platz 9 vollmundig die Champions-League-Qualifikation als neues Saisonziel ausgebt. Und dann Zwölfter werdet.