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Beharrlich hatten Aki Watzke und Sebastian Kehl in den letzten Wochen darauf verwiesen, die Dortmunder hätten in der Bundesliga seit April nicht mehr verloren. All die Kritteler könnten sich also mal gehackt legen. Nach den starken Spielen in Newcastle und im Pokal gegen Hoffenheim klang die Erzählung auch schon gar nicht mehr so rechtfertigend. Seit Samstagabend allerdings, seit die Bayern einmal quer durchs Westfalenstadion frästen, muss es den Dortmunder Verantwortlichen dämmern: Die ständig herbeizitierte Serie hat sich als Trugschluss erwiesen. Ein Blick auf die letzten fünf Niederlagen der Dortmunder reicht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Denn der BVB verlor im letzten halben Jahr zweimal gegen den FC Bayern, gegen RB Leipzig, Paris Saint-Germain und den FC Chelsea. Keinen der vermeintlich „großen Gegner“ konnte Terzics Mannschaft schlagen.
Drum kann sich der BVB glücklich schätzen, dass dem heutigen Gast aus Newcastle noch ein wenig fehlt, um als Gegner dieser Güteklasse zu gelten; ganz akut zum Beispiel neun Spieler, die fürs Spiel im Westfalenstadion ausfallen. Und perspektivisch ein klarer Plan, wie die Petro-Millionen zu verprassen sind. Allein diesen Begebenheiten, und einer kriselnden AC Mailand, ist es geschuldet, dass die Chancen gar nicht so schlecht stehen, den BVB auch über die Jahreswende in der Königsklasse zu sehen. Sollte man das Achtelfinale tatsächlich erreichen, werden Watzke und Kehl bei jedweder Kritik vermutlich dem Mantra verfallen, der Verein gehöre zu den besten 16 in Europa. Wenn Dortmunds Führungskräfte ehrlich wären, würden sie darin aber schon den nächsten Trugschluss erkennen.
Erste Niederlage für die Spurs
Vor der Saison war Ange Postecoglou das, was Brightons Roberto De Zerbi in diesem Jahr ist: ein Übungsleiter fürs Angebervolk, für 2 – 3‑Aufbau-Fetischisten, für selbst berufene Taktik-Experten, die in Screenshots von Spielszenen „Transition-Momente“, „Steil-Klatsch-Situationen“ oder „Monstersafes“ erkennen wollen. Solche Leute, denen Roger Schmidt entgegen blöken würde: „Wat bist du denn fürn Spinner? Glaubst du, du hast den Fußball erfunden?“ Mittlerweile, da die Saison knapp drei Monate andauert, sind auch wir Dilettanten vom „Ange Ball“ überzeugt. Der Abgang von Harry Kane scheint auf Teile des Teams eine entlastende Wirkung gehabt zu haben, die Spurs spielen dadurch weitaus, Achtung Protzvokabel: „fluider“. Heung-min Son hat sich zu einer veritablen Neun verwandelt, Spielmacher James Maddison wurde kürzlich zum Transfer des Jahres gekürt. Ein jahrelanges Leck in der Innenverteidigung hat nebstdem der Ex-Wolfsburger Micky van de Van gestopft. Dabei hat die gestrige 1:4‑Niederlage gegen den FC Chelsea nur geringfügigen Verweischarakter. Am Ende spielten die Spurs mit zwei Mann weniger, blieben trotzdem mutig und über weite Strecken noch das bessere Team. Zum ersten Mal seit Mauricio Pochettino meldet Tottenham wieder ernsthaften Anspruch auf Titel an.
Die kuriose Karriere von „El Loco“
Der Argentinier Martin Palermo verlebte eine der bizarrsten Karrieren überhaupt. Ihm passierte so viel dummes Zeug, dass es sich eigentlich verbietet von Zufällen zu sprechen. Zum Beispiel verschoss er 1999 in einem einzigen Spiel drei Elfmeter. Als er zwei Jahre später bei Villarreal spielte, ihm in letzter Sekunde das Siegtor gelang und er zum Auswärtsblock stürmte, gab die Tribüne dem Ansturm nach, eine Mauer krachte ein, Fans stürzten zu Boden und Palermo erlitt einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch. Einmal erzielte er ein Kopfballtor aus 38 Metern, ein anderes Mal traf er ins Tor, obwohl er sich nur Augenblicke zuvor sein Kreuzband gerissen hatte. Heute wird Martin Palermo 50 Jahre alt. Wir wursteln unser Spanisch-Wörterbuch aus dem Ranzen und wünschen einen unfallfreien Ehrentag: Feliz Cumpleaños, El Loco!
Das steht heute an
Zur Einstimmung auf die Champions-League-Woche ging es in unserem News-Update heute schon mal ganz schön international her. Argentinien, England, Brasilien, zwischendurch sind wir sogar noch Richtung Australien abgedriftet. So soll es weitergehen: Am Abend spielt der BVB zu Hause gegen Newcastle United, aber Obacht: Anstoß ist aufgrund der Erdrotation und daraus resultierenden Längengraden bereits um 18.45 Uhr. Morgen erfahrt ihr an dieser Stelle, wie das Spiel endete.
Habt einen schönen Dienstag!
Max Nölke