Ein Schwede, der im zarten Alter von 19 Jahren von seinem Heimatverein Malmö FF für eine hohe Millionensumme zu einem europäischen Top-Klub wechselt und in einem schwarz-rot gestreiften Trikot dem Spiel seinen Stempel aufdrückt? Klar: Zlatan Ibrahimović. Doch seit diesem Sommer gibt es einen jungen Mann, der diese Merkmale ebenfalls allesamt auf sich vereint: Eintracht Frankfurts Hugo Larsson. Geboren in der Gemeinde Ystad, die Krimi-Fans vor allem durch Kurt Wallander bekannt sein dürfte, begann der junge Hugo seinen fußballerischen Werdegang im Alter von fünf Jahren bei SoGK Charlo, bevor es ihn 2016 zu Malmö FF zog.
Nach einer starken Saison 2022/23, die ihm im Januar sein Nationalmannschaftsdebüt unter Coach Janne Anderson einbrachte, wechselte der zentrale Mittelfeldspieler im Sommer für neun Millionen Euro aus der schwedischen Hafenstadt in die Mainmetropole. Mittlerweile hat sich Larsson zu einer festen Größe der Eintracht gemausert und seinen Marktwert auf 17 Millionen Euro erhöht. Gespräche über Zlatan scheut er nicht: „Er ist seit meiner Jugend mein Vorbild. Er ist genau wie ich aus Malmö zu einem großen Klub gewechselt. Hoffentlich kann ich irgendwann in seine großen Fußstapfen treten“, sagt der 19-Jährige im Gespräch mit der Bild. Doch da hören die Berührungspunkte nicht auf: „Ich war oft Balljunge als ich noch klein war. Er kam nach Malmö, um die 20. Meisterschaft zu übergeben, da haben wir ein Foto zusammen gemacht“, erinnert sich der Youngster. „Ein cooler Moment!“ Trotz Vorbildstatus: Direkte Vergleiche mit der Anfangszeit seines Idols in den Top-Ligen kann der blutjunge Larsson nur bedingt ziehen. Als er im Juni 2004 zur Welt kam, wechselte Zlatan bereits mit 13 Saisontoren und dem Meistertitel in der Tasche von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin.
Mittelfeldmotor statt Tormaschine
Bei allen Gemeinsamkeiten im Werdegang: Ganz so extravagant wie die Karriere seines Vorbilds dürfte die von Larsson allerdings nicht verlaufen. Schenkt man seinen Worten Glauben, ist das Potenzial, die Bodenhaftung zu verlieren, gering: „Ich bin eine ruhige Person und ein ruhiger Spieler, der viel lernen will.“ Wenn der Ball erstmal rollt, könnten die beiden Skandinavier zudem unterschiedlicher kaum agieren. Während Ibrahimović mit seiner unvergleichlichen Akrobatik und seinem Flair wohl selbst Erling Haaland überdenken ließ, ob er nicht doch lieber seine Rap-Karriere hätte verfolgen sollen, glänzt Larsson zurzeit als Antreiber und Ballverteiler im zentralen Mittelfeld.
Elementares Teilchen im Frankfurter Puzzle
Als Sechser im für Frankfurt mittlerweile klassischen 3−4−3 agiert er als wichtiges Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. Er erfüllt alle Anforderungen, die es an einen modernen Box-to-Box-Spieler gibt: Sowohl was raumgewinnenden Ballbesitz als auch torerzeugende Aktionen und abgefangene Bälle angeht, liegt Larsson verglichen mit anderen Mittelfeldspielern der Top-5-Ligen über dem Durchschnitt. Nur zwei Prozent verlieren in der Defensive noch weniger Zweikämpfe als der 19-Jährige.
Bezeichnend für seine Spiel auch die Szene, als er sich beim 3:3 gegen den BVB den Ball schnappte, über das halbe Spielfeld trieb und mit einem präzisen Diagonalpass auf Aurélio Buta das zwischenzeitliche 2:0 einleitete. Oder die vom vergangenen Wochenende, als er gegen Union Berlin das 2:0 von Omar Marmoush mit einer Vollspannflanke vorbereitete. Mit seinem satten Distanzschuss zum 1:0 gegen den 1. FC Heidenheim, der gleichermaßen Effet wie Wumms vorzuweisen hatte, bewies der Schwede zudem seine Torgefahr. Ebenfalls bemerkenswert: Seit dem vierten Spieltag absolvierte Larsson in der Bundesliga jede mögliche Minute. Weder wurde er ausgewechselt noch fiel er der Rotation im DFB-Pokal gegen Viktoria Köln zum Opfer. Zu wichtig ist sein Einfluss auf das Spiel des ehemaligen Europa-League-Champions.
Die bisherigen Leistungen entlockten seinem Coach Dino Toppmöller eine Lobeshymne auf die Scouting-Abteilung der Hessen: „Sie haben einen tollen Job gemacht. Schon in der Vorbereitung haben wir gesehen, was für eine Qualität Hugo hat“, schwärmte der Übungsleiter. Erfrischend wie der gleichnamige Aperitif an einem heißen Sommertag, im Zweikampf stabiler als jedes Billy Regal und das ohne die Dreifaltigkeitsfantasien seines Vorbilds: „Mamma mia!“ würde eine schwedische Popgruppe sagen.