Das Dach ist im Eimer...

Stei­ger­wald-Sta­dion (Rot-Weiß Erfurt)

60 Meter Höhe maß der neue Stolz der Erfurter. Rot-Weiß hatte sich 1999 von seinen 30 Jahre alten Flut­licht­masten getrennt und eine neue Anlage bauen lassen. Nun waren es nur noch wenige Tage bis zur Pre­miere am 4. Dezember: die Masten standen, und eigent­lich konnte nichts mehr schief gehen. Eigent­lich…

In der Nacht vom 30. November sollte es stürmen – gewaltig stürmen. Der Wind blies so heftig, dass einer der stäh­lernen Beleuch­tungs­pfähle abknickte. Damit hatte sich die Groß­in­ves­ti­tion bereits vor ihrer Pre­miere ver­ab­schiedet. Denn aus Sicher­heits­gründen ent­schloss sich der Verein, auch die rest­liche Anlage wieder abzu­bauen. Nach jah­re­langen Strei­tig­keiten um die Schuld­frage zwi­schen der Stadt, dem FC und dem Bau­un­ter­nehmen kam das erneut auf­ge­baute Flut­licht am 7. März 2003 zu seiner Pre­miere – dieses Mal ohne Zwi­schen­fälle.

Fran­ken­sta­dion (1. FC Nürn­berg)

»Hüpf, Fran­conia, hüpf«, klang es vom Ober­rang, als die Tri­büne im wahrsten Sinne des Wortes zu beben begann. Beim DFB-Pokal-Spiel zwi­schen den Franken und Dynamo Dresden (25. Oktober 2005) kam es zu so hef­tigen Schwin­gungen in der Beton­kon­struk­tion, dass sich im Unter­rang Risse zeigten und klei­nere Putz­teile von der Decke fielen. Die Erklä­rung sei­tens des Ver­eins: kon­struk­ti­ons­be­dingt seien die Ober­ränge des Sta­dions nur für Sitz­plätze aus­ge­legt. Und so fasste die Nürn­berger Pres­se­ab­tei­lung zusammen: »Der 1. FCN hat für die Saison 2005/06 Dau­er­karten für Sitz­plätze des Ober­rangs Block 8 an die Fan­gruppe der Ultras ver­kauft, die jedoch die Sitz­plätze meist als Steh­plätze nutzen, was dann durch das Hüpfen auf den Sitz­schalen zu den Schwin­gungen führte« – man hatte wohl mit Tee trin­kenden Ultras im Schnei­der­sitz gerechnet. Die Statik-Pro­bleme ver­an­lassten die Ver­ant­wort­li­chen letzt­lich zu einem Sprung­be­las­tungs­test. So mimten 500 Club-Anhänger wenige Tage nach dem Pokal­spiel erneut den »Fran­conia-Hüpf« im Ober­rang. Bau­tech­niker und Sta­tiker kamen zu dem Ergebnis, dass die Stand­si­cher­heit des Bau­werks gegeben sei. Den­noch ließen die Nürn­berger schwin­gungs­dämp­fende Stahl­stützen auf der Nord­tri­büne ein­bauen, um »pani­schen Reak­tionen« vor­zu­beugen.

Wald­sta­dion Frank­furt (Frank­furt)

Wer erin­nert sich nicht an die legen­däre Was­ser­schlacht im WM-Halb­fi­nale 1974 in Frank­furt? Damit so was nicht wieder vor­kommt, wurde beim Neubau extra ein rie­siges Zelt­dach instal­liert. Dieses bewirkte im Finale des Kon­fö­de­ra­tionen-Pokals jedoch das genaue Gegen­teil. Das Wasser staute sich auf dem Dach und schoss durch ein Über­lauf­ventil aufs Spiel­feld. Im Bereich der Eck­fahnen war an Fuß­ball nicht mehr zu denken. Auch in der Bun­des­liga reg­nete es rein, mitt­ler­weile sind die Pro­bleme aber behoben.


Fritz-Walter-Sta­dion (Kai­sers­lau­tern)

Alles schien klar: Der 1. FC Kai­sers­lau­tern hatte den Zuschlag für die Aus­tra­gung von einigen WM 2006-Spielen erhalten; kurz darauf star­teten die Umbauten am Fritz-Walter-Sta­dion. Nur hatte das Ganze einen Schön­heits­fehler: Das beauf­tragte Bau­un­ter­nehmen mel­dete schon bald Insol­venz an. Da auch die pfäl­zi­schen Teufel in finan­zi­elle Schief­lage geraten waren, standen die Sta­di­on­ar­beiten zunächst still. Erst als sich Stadt und Land an einem Teil der explo­die­renden Kosten betei­ligte, und die Klub­oberen ihr Sta­dion ver­kauften, konnten die Umbau­maß­nahmen wei­ter­gehen. An die pünkt­liche Ein­hal­tung des Bau­plans war jedoch nicht mehr zu denken. Kon­se­quenz: Kai­sers­lau­tern war fortan nicht mehr Aus­tra­gungsort des Con­fe­de­ra­tions-Cup 2005. Wenig später folgte der nega­tive Höhe­punkt des Bau-Dilemmas: Die Bun­des­li­ga­partie zwi­schen dem 1. FCK und Ein­tracht Frank­furt am 3. Dezember 2005 wurde abge­sagt. Denn bei den Umbauten hatten sich so schwere Schäden am Dach der Ost­tri­büne her­vor­getan, dass sie vor­läufig durch ein­ge­baute Stütz­pfeiler gesi­chert wurde. Die WM-Spiele sollten letzt­lich ohne Pfeiler und grö­ßere Pannen über die Bühne gehen.

Volksparkstadion(Hamburger SV)

Das Volks­park­sta­dion wurde nach dem Umbau im Jahr 2001 lie­be­voll AOL- Arena getauft, wohl der Name eines großen HSV-Idols. Damit das auch jeder mit­be­kommt, brachte man die Buch­staben über­le­bens­groß auf dem Dach an. 2007 kam ein neuer Sponsor, zahlte mehr Geld in einer Zeit, in der noch nie­mand das Wort Finanz­krise kannte, und brachte seine 6,5 Tonnen schweren Buch­staben auf das Dach. Ein N fand keinen Gefallen daran und drohte her­unter zu stürzen, wes­wegen die Bun­des­li­ga­partie HSV – Stutt­gart ver­spätet beginnen musste.


Bie­berer Berg (Kickers Offen­bach)

Anfang der 90er setzte die Stadt Offen­bach an zum Frontal-Angriff auf die OFC-Seele. Im Fokus stand nicht etwa ein Bau­vor­haben, son­dern zunächst mal das genaue Gegen­teil: Das Gelände des Bie­berer Bergs sollte ver­kauft werden – Sta­dion-Abriss inklu­sive. Die Heim­stätte der Kickers war in die Jahre gekommen, nötige Sanie­rungs­ar­beiten waren auf­ge­schoben worden, sport­liche Erfolge aus­ge­blieben. Der OFC hatte an Strahl­kraft ver­gan­gener Tage ein­ge­büßt, und mit ihm sein Sta­dion. Doch die städ­ti­schen Abriss-Pläne trafen auf hef­tigen Wider­stand. So bahnte sich die Pro­test­be­we­gung mit der Aktion »Rettet den Bie­berer Berg« ihren Weg. Die Ret­tung kam in Form von ehren­amt­li­chen Hel­fern und gesam­melten Spen­den­gel­dern. Letzt­lich übergab die Stadt dem OFC das Sta­dion in Erb­pacht. Durch die Spen­den­ak­tion konnte zwar das marode Dach repa­riert werden, doch Bau­stellen blieben genug beim OFC.

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