Tim Schreiber, Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Pokalerfolg! Alles wieder gerade bei Ihnen?
Ja, wir haben am Donnerstag frei bekommen. Ich war mittags zur Regeneration in unserem Trainingszentrum. Ein paar Wehwehchen behandeln, Eistonne – alles, damit ich am Samstag wieder fit bin.
Wie war die Nacht?
Es war komplett wild. Die ganze Stadt war außer sich. Vollkommen surreal! Wir waren mit der Mannschaft unterwegs, unser Trainer hatte ja ausgerufen, dass gefeiert werden muss. Mich haben mein Vater und ein paar Freunde aus Leipzig begleitet. Wir sind nur bis zwei Uhr geblieben, weil ich echt müde war. Trotzdem habe ich nur zwei Stunden geschlafen.
Was haben Ihr Vater und Ihre Freunde nach dem Spiel zu Ihnen gesagt?
Mein Vater konnte es gar nicht fassen. Wir saßen alle später noch bei mir zu Hause und haben gequatscht, so heftig alles. Wir sind Spielszenen durchgegangen, haben aber auch über andere Dinge gesprochen, aus der Kindheit zum Beispiel. Das ist ein Tag, den ich niemals vergessen werde.
Im Interview direkt nach Spielende haben Sie gesagt, dass Sie überhaupt nicht realisieren können, was da passiert sei. Wie ist es einen Tag später?
Es ist immer noch ein komisches Gefühl. Wir haben einfach gegen ein Champions-League-Team im DFB-Pokal gewonnen. Es ist Wahnsinn, was die Mannschaft abgeliefert hat. Das ist unbeschreiblich.
Was ist Ihnen vom Siegtor in Erinnerung geblieben?
Ich erinnere mich daran, wie Naifi den Ball hatte und zu Civeja gespielt hat. Im letzten Moment habe ich Gaus gesehen – und dann nur noch, wie das Netz zappelte. Ich habe noch nie so viele Meter gemacht wie nach diesem Tor. Für 30 Sekunden wusste keiner im Stadion, was eigentlich abgeht. Es flogen Bierbecher, alle waren nass. Wir waren ergriffen von den Emotionen. Im Internet habe ich ein Foto gesehen, wie ich in einer späteren Szene den Ball in der Hand halte und dabei lächele. Ich habe mir nur gedacht: Alter, was passiert hier gerade?
Wie haben Sie die Szene kurz vor Abpfiff erlebt, als Luca Kerber den Ball mit der Hand abwehrte?
Es war so unübersichtlich, dass ich es auf dem Platz nicht gesehen habe. Wenn wir mit Videobeweis gespielt hätten, wäre die Szene sicherlich noch mal geprüft worden. Ich denke aber, dass man die Situation als Offensivfoul hätte werten können. Kerber berührt den Ball ja nur, weil er vorher zu Fall kommt. Als dann der Abpfiff ertönte, dachten alle: Was haben wir hier geschafft? Die Verlängerung wäre für uns sehr schwer geworden.
Sie sind als Nummer zwei hinter Tim Panterok in die Saison gestartet. Am vergangenen Wochenende erhielten Sie aber den Vorzug – und durften nun auch im Pokal spielen. Wie gehen Sie damit um, dass Sie auf einmal so im Mittelpunkt stehen?
Natürlich hatte ich mir den Start in Saarbrücken anders vorgestellt. Es ist ein irres Gefühl, aber ich weiß, wie ich damit umgehen muss. Ich will professionell bleiben und weiter an mir arbeiten.
Wen wünschen Sie sich nun für die nächste Pokalrunde?
Ein weiterer Kracher wäre cool, Dortmund vielleicht? Ich würde mir aber auch ein Derby gegen Kaiserslautern wünschen.
Am Samstag geht es für Sie zum SV Sandhausen. Wie wollen Sie jetzt wieder runterkommen?
Das ist schon eine schwierige Aufgabe. Für jeden von uns war es das Spiel des Lebens. Wir werden als Mannschaft jetzt aber nicht wild, sondern nehmen das konzentriert an.